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Buch
Reisetagebuch Die Gjalskerlande
Männer tragen Röcke wie Frauen. Frauen gehen mit nackter Brust herum wie Männer.
Ja, Herr Hauptmann, das kann etwas werden im Gjalskerland!
Wo sich bei uns die Fräulein in Seide hüllen und bei den Festspielen den Recken Jubel spenden, da treten die Gjalsker-Fräulein im Weitwurf gegen die Männer an.
Was sie werfen? Baumstämme, Herr Hauptmann. Sie nennen das Gon'da Gon Palenkel, und das bedeutet in ihrer Sprache soetwas wie 'Kraftspiel'.
Meine Kraft reicht jedenfalls für dieses Spiel nicht aus...
Vor den Göttern wirft sich hier keiner auf die Knie.
Dazu müsste man auch erst einmal zu ihnen vordringen. Vor dem Höhlentempel des Götterriesen Wolkenkopf steht eine ganze Trollsippe, und sie sehen so aus, als wollten und könnten sie mir meinen Kopf knacken wie eine Walnuss.
Die Gjalsker nennen sie Braha und schütteln ihnen die Pranken, aber was die Trolle wohl zu einem Söhnchen aus dem Mittelreich sagen, Herr Hauptmann?
Aber es passt ja zu diesen Leuten.
Die Kinder werfen sie aus der Wiege direkt ins Eiswasser, damit sie 'sich gar nicht erst daran gewöhnen, unter Felldecken zu liegen, statt in der Tundra mit den Tigern zu tanzen! Da hast du es, Fremder!'...
Zumindest ich fürchte selbst unter den Felldecken jede Nacht wieder darum, dass ich am nächsten Morgen mit tauben Ohren aufwache und mir die abgefrorenen Dinger wie Tannenzapfen vom Schädel pflücken kann.
Zum Glück kennt der Schamane, der Brenoch-Dûn, ein Tal voller heißer Quellen. So ein Bad: der Himmel, Herr Hauptmann! Dass das Tal sich 'Tal des Blutes' nennt und der Schamane sich nicht nur in Bärenfell kleidet, sondern sich dem Geruch nach offenbar auch im Dung dieser Tiere suhlt, nun ja, das muss ich wohl hinnehmen.
Neben mir zischen in Eisblöcke gefrorene Orkschädel über das Eis, und die jungen Gjalsker nennen das 'Eisorkwerfen'. Praios, steh mir bei!
Dass die Gjalsker auch Tayrach, dem Gott der Orks, huldigen, erklärt vielleicht ihre — ich benenne es freundlich, Herr Hauptmann — wilde Natur.
Für ihre Waffen haben sie keine Scheiden, 'weil die Klinge doch sowieso viel öfter in der Hand als am Gürtel ist!', und wer sich ihnen ergeben will, der muss sein Schwert nicht nur wegwerfen, sondern vor ihren Augen zerbrechen. Ich übe schon einmal für den Ernstfall, Herr Hauptmann...
Wenn ich Heldentaten hören will, muss ich nicht zu einem Geschichtenerzähler gehen. Jeder Gjalsker lässt sich die Bilder seiner erschlagenen Feinde mit einer Nadel und schwarzer Farbe auf den Leib stechen.
Sie nennen die Bilder Thar'an Mór, und selbst Tischler und Weberin haben die Arme voll davon.
An die Tiere, die sie sich da auf die Haut stechen lassen, glauben sie auch genauso, wie an ihre Götter (wenn die Götter nicht schon selbst Tiere sind, Herr Hauptmann. Ihr sitzt jetzt vielleicht gerade bei der Messe des Praios, und ich sitze bei der Messe eines riesigen weißen Mammuts, das die Gjalsker Natûro-Gon nennen).
Einem Tiergeist, einem Odûn, wird genau so viel Räucherwerk geopfert wie den Göttern, und der übelriechende Schamane hat sich gerade in seine Hütte zurückgezogen, um mit einem hungrigen Bärengeist zu verhandeln...
Hah, Herr Hauptmann! Wisst Ihr, wovor die Gjalsker sich fürchten? Nicht vor Tigerzähnen und Bärenpranken, aber vor einfachem Nebel, wie er bei uns über die Moore zieht! Sie glauben, dass jede Nebelschwade eine verdammte Seele ist, die den Pfad ins Totenreich verfehlt hat...
Und mich halten sie jetzt für den Gesegneten von Zwanfir, einer fleischfressenden Wal-Gottheit, weil ich es lebendig durch den Nebel geschafft habe. So schwer war das gar nicht, wisst Ihr. Aber lasst das die Gjalsker nicht wissen!
Trotz des rauschenden Fests, das die Nordmänner für mich gegeben haben, kehre ich doch bald zurück in Eure Kaserne, Herr Hauptmann.
Die Toten werden hier im Eis gefroren und dann bei der Sommersonnenwende von einer Klippe geworfen, damit Zwanfir sie verschlingt und ins Totenreich trägt.
Dann doch lieber einen hübschen Grabstein neben meiner Sabina, Praios hab sie selig. Auf bald, Herr Hauptmann!

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